Gefährliche Meerestiere 2010

Gefährliche Meerestiere, Gefahr erkannt - Gefahr gebannt, 26.02.2010

Meeresbiologisches Erlebnisseminar
von Jutta Kassner

Bereits zum dritten Mal, und so kann man nun schon fast von einer Tradition sprechen, fand am Freitag (26.02.2010) im Landgasthaus "Zur Post" in Rodau ein meeresbiologisches Seminar von Dr. Constanze Conrad statt.

Constanze coco   Die Biologin und Tauchlehrerin lebt bereits seit 1998 am Roten Meer. Dort betreibt sie mit ihrem Mann (Aiman) die Tauchschule "Blue Heaven Holidays" und leitet das Marine Biology College in der Tondoba Bay, südlich von Marsa Alam. Ferner ist sie bei der Organisation Reef Check aktiv.

 Constanze Aiman

     Constanze und Aiman 

Nachdem in den Seminaren der letzten Jahre bereits die Themen "Partnerschaften im Meer" sowie "Haie, Wale und Delfine" bearbeitet wurden, beschäftigten wir uns diesmal mit den "Gefährlichen Meerestieren". Constanze begann ihren mit viel Humor und zahlreichen Fotos vom Riff der Tondoba Bay gespickten Vortrag mit Biss-und Schnittverletzungen. Als "Überraschungsjäger mit starken Zähnen" bezeichnete sie den Barrakuda, der durch zappelnde Fische und das metallische Blinken der Fischschuppen angelockt werde. Deshalb sollten wir Taucher darauf achten, möglichst wenig chromblitzende Gegenstände an der Tauchausrüstung mitzuführen und genügend Abstand halten. Letzes gilt auch bei Doktorfischen, die eine skalpellartige ausklappbare Schwanzflosse besitzen. Sollte es dennoch zu einer Verletzung gekommen sein, soll die Wunde mit Salzwasser ausgewaschen und desinfiziert werden. Gegen Sekundärinfektionen helfe ein Breitbandantibiotikum, so die Biologin. Gefährlich wird es auch bei einem, meist wenig schmerzhaftem, Biss von einer Seeschlange. Der Verletzte bekommt Euphorie- oder Angstzustände, Lähmungserscheinungen, Schweißausbrüche und einen steifen Nacken. Genau wie bei ihren Vertretern an Land, berichtete Constanze, helfe nur ein Antiserum.

Zu Stichverletzungen, weiß Constanze, kommt es häufig durch das Anfassen oder Hineintreten von Seeigeln, Seesternen oder Kegelschnecken. Hier helfe die oberste Regel: NICHT ANFASSEN, sowie Füßlinge mit fester Sohle. Gefährlich sind Stiche von Skorpionsfischen, wobei der Drachenkopf hierbei der harmloseste Vertreter sei. Aber bereits bei seinem Stich blutet die Wunde stark und schwillt an. Als Gegenmaßnahmen helfen eine Behandlung mit 60°C heißem Wasser und eine lokale Novocain-Spülung. Bei einer Verletzung durch den Steinfisch kommt es zum großflächigem Gewebezerfall, eingeschränkter Bewegung, Blutdruckabfall und bei 30% der Betroffenen zum Herzstillstand. Auch hier helfen eine Hitzebehandlung sowie ein Antiserum, jedoch sind Morphin-ähnliche Schmerzmittel unwirksam und der Heilungsprozess dauert ca. 1 Jahr. Als gefährlichsten seiner Gattung stufte die Meeresbiologin den Rotfeuerfisch ein, da seine Stacheln alle giftführend seien und er aktiv angreife, wenn er sich bedroht fühle. Als Warnsignal spreize er alles von sich ab. Wird man mit dem Kopra-ähnlichem Gift infiziert, kommt es in ernsten Fällen zur Atemnot, Ohnmacht und in seltenen Fällen auch zum Tod.Weiterhin lernten alle Teilnehmer, was vorbeugend und im Ernstfall schmerzlindernd bzw. heilend bei Vernesselungen durch Quallen, Feuerkorallen, Feuerschwämme, Seemoosen und Anemonen zu tun sei.Interessant waren auch die Ausführungen über die sogenannten Genussgifte, die man beim Verzehr von Muscheln, Austern, Seegurken, Kugel-, Koffer- und Igelfischen sowie von Thunfischen und Makrelen aufnehmen kann, was bei der Zubereitung bzw. Lagerung berücksichtigt werden muss und wie eine Fischvergiftung entstehen kann.
Aber da wir Taucher die Fische lieber anschauen, als sie zu essen, besteht hier für uns keine Gefahr!!!

Abschließend vervollständigte Constanze Conrad ihren Vortrag mit elektrischen Schlägen durch Zitteraal und-rochen sowie Quetschungen durch Riesenmuscheln, Krabben und Zehnfußkrebse. So waren am Ende des Seminars alle 55 Teilnehmer für den nächsten Tauchurlaub gerüstet und werden ihre Reiseapotheke dementsprechend komplettieren. Danke allen Organisatoren und natürlich Constanze für einen höchst informativen Abend.