Jäger der Meere 2014

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR  © Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 11.03.2014

VORTRAG:  Meeresbiologin Constanze Conrad referierte über die „Jäger der Meere“

Schüttelt der Hai den Kopf, hat der Taucher Pech

RODAU. Spätestens nach Steven Spielbergs Film "Der Weiße Hai" dürfte der Respekt vor diesen Tieren deutlich gestiegen sein. Constanze Conrad ist Meeresbiologin am Marine Biology College in Tondoba Bay am Roten Meer. Sie trifft bei ihren Tauchgängen oft auf die Spezies - und stand jetzt trotzdem vor einer großen Schar interessierter Zuhörer. Im Gasthaus "Zur Post" referierte sie auf Einladung der Tauchsportfreunde Bensheim über die "Jäger der Meere", die im Unterschied zu Delfinen keine possierlichen Spielgefährten sind. Aber entgegen ihres schlechten Rufs wüten sie auch nicht als Aggressoren in den Wassertiefen. Der Mensch gehört nicht in ihr Beuteschema.

Der Spielberg-Varianten eines Meeresungeheuers setzte die Biologin gleich eingangs eine kontrastierende Szene entgegen: Einen Hai, der mit einem Taucher Ball spielt. Constanze Conrad führte in die Biologie des Knorpeltieres ein, dessen größte Art - der Walhai - als Koloss von zwölf Meter Länge stattliche 20 Tonnen auf die Waage bringt, aber als Planktonfresser keinem Menschen naherückt. Die kleinste Art hingegen - der Zwerghai - misst gerade einmal 20 Zentimeter. Der größte Fleischfresser ist der Weiße Hai mit sieben Meter Länge und 3,5 Tonnen Gewicht. Er zählt dennoch nicht zur gefährlichsten Spezies. Die stellt der Bullenhai dar.

Immer wieder sorgte die Meeresbiologin für erstaunte Reaktionen im Publikum, als sie das Guinness-Buch der Hai-Rekorde aufschlug. Der schnellste Hai - der Mako-Hai mit einem "windschnittigen" Körperbau - bringt es gar auf eine Geschwindigkeit von 70 Stundenkilometer. Das Tempo lässt jeden Taucher chancenlos. Im Notfall die Flucht anzutreten, dürfte sich als falscher Weg erweisen. Ein Biss mit einem Maul, in dem sich - wie beim Sandtiger-Hai - 25000 Zähne aneinanderreihen, dürfte auch nicht einfach zu verkraften sein.

Kein Flipper
Aber auch der planktonfressende Hai ist kein Flipper. Constanze Conrad warnt bei einem Zusammentreffen nachdrücklich vor Berührungen. Das Knorpeltier, das sich in S-förmigen Schwimmbewegungen durch die Meere schlängelt, hat einen schneidenden Zahnbesatz auf seinen Schuppen. Der Hai schwimmt seit 100 Millionen Jahren als angepasster Jäger durch die Gewässer. Im Gegensatz zu anderen Fischen verfügt er nicht über eine Schwimmblase, die aus den Tiefen des Meeres schnellen Auftrieb gibt. Auf der anderen Seite liegt seine Körpertemperatur weitaus höher als die seiner Umgebung. Damit ist er stets zum "Sprint" bereit.

Feiner Geruchssinn
In der Wahrnehmung ist der Hai dem Menschen voraus. Die Tiere können vor allem die tiefen Töne gut hören. Wie fein der Geruchssinn ausgebildet ist, verdeutlichte Constanze Conrad mit einem Beispiel. Das Tier nimmt Blut in einer Verdünnung von 1:10 Milliarden wahr. Zudem kann es durch drei Muskelpaare seine Augen kreisen lassen, erkennt Hell-Dunkel-Kontraste als auch Farben. Haie sind mit einem Lichtverstärker ausgestattet.

Mit dem Seitenlinienorgan kann der Hai Druckunterschiede im Wasser spüren und zusätzlich mit den Lorenzinischen Ampullen bioelektrische Felder wahrnehmen, die stets bei einer Muskelaktivität auftreten. Für seine Beutezüge kommen ihm diese Sinnesorgane sehr entgegen. So spüren sie auch Taucher aus weiten Entfernungen bereits auf.

Haie seien trotzdem "freundliche Zeitgenossen", die deutliche Warnsignale abgeben, bevor sie einen Angriff starten. Die erste Drohgebärde ist das Hunching. Dabei drehen sie die Brustflossen V-förmig nach unten. In der zweiten Stufe folgt ein bedrohlicher Katzenbuckel.

Wenn er anschließend seinen Kopf hin und her schwenkt, ist es im Regelfall für den Taucher schon zu spät. In einer bewegungslosen Starre zu verharren, verspricht keinerlei Erfolg. Der Hai nimmt den Taucher nicht zuletzt durch das pulsierende Herz wahr, das elektromagnetische Felder aussendet. Wer den Meeresbewohner verscheuchen will, sollte stattdessen lieber Druckwellen erzeugen, die gigantisch wirken.

Grobes Fehlverhalten
Wer sich richtig verhält, braucht  sich vor Haien  nicht zu fürchten,  lautet die Botschaft  der Biologin. Jährlich werden  im Schnitt drei bis neun Haiunfälle  gezählt.  Zum Vergleich:  Heruntertallende Kokosnüsse verursachen jährlich rund 150 Todesfälle.  Bei Hai-Attacken liege im Regelfall  ein Fehlverhalten des Menschen zugrunde.

Sie selbst  zählte in den 16 Jahren  am touristisch belebten  Roten Meer lediglich einen Haiunfall, der auf grobes Fehl-verhalten zurückzuführen gewesen  sei. Eine Gruppe  lockte die Haie mit blutigem  Fraß an und ging dann schnorcheln.

TSF-Partner
Werbepartner
Verbände